Ideenwerkstatt Oktober – Strickwerke

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Das Thema der Ideenwerkstatt im Oktober ist „Handabeit“. Die dunkle Jahreszeit ist für mich immer wieder ein Quell der Inspiration und der Lust auf Handarbeiten verschiedenster Art. Seit einigen Tagen stricke ich zum Beispiel wieder. Ich warte immer auf diesen Punkt im Jahr an dem ich plötzlich so einen unstillbaren Drang nach Strickwerken bekomme. Meistens stricke ich Geschenke für Freunde und Familie, in diesem Jahr habe ich mit jedoch zu allererst etwa für mich persönlich gestrickt. Wobei ich beim Warten auf eine Wolllieferung noch schnell ein Geschenk dazwischen geschoben habe.  Im letzten Jahr hatte ich für drei Freundinnen einen Mr. Foxy gestrickt, danach drei Paar Moonkoosa Boots und für meine Schwiegermutter ein Revontuli. Wenn das Frühjahr ins Land zieht, es wieder wärmer und die Tage länger werden läßt meine Stricklust sofort nach und den Großteil des Jahres kann ich mir wieder überhaupt nicht vorstellen zu stricken.

Ich werde häufig gefragt ob stricken eigentlich schwer sei und werde hier und da von nicht-Strickern beneidet und gefragt wo ich stricken gelernt hätte. Tatsächlich habe ich mir 95% des stricken selbst beigebracht, denn dem Internet sei Dank ist es heute gar nicht mehr schwer sich bestimmte Dinge per Video- und Bildanleitungen Schritt für Schritt anzueignen. Angefangen hat eigentlich alles vor einigen Jahren mit einem Revontuli. Damals waren die einzigen Erfahrungen mit Stricken ein Schal den ich als Jugendliche fabriziert hatte nachdem mir jemand erklärt hatte wie man rechte Maschen strickt – ich konnte weder Maschen aufnehmen noch abketten- sowie ein weiterer Schal den ich einige Jahre später noch einmal mit rechten Maschen strickte. Um mich herum strickten zu diesem Zeitpunkt gefühlt hunderte Blogger diese Revontuli und ich wußte nur eins – ich will auch so ein Tuch! Also setze ich mir in den Kopf eines zu stricken, auch wenn ich keine Ahnung hatte wie ich überhaupt anfangen sollte. Ich lud mir die Anleitung herunter, bestellte mir Garn und begann die Hieroglyphen aka Strickschrift zu entziffern. Mir sagte wirklich gar nichts irgendetwas. Ich musste alles nachschlagen, von der rechten über die linken Maschen, wie man Maschen aufnimmt, was Umschläge sind, wie man verschränkt strickt, Maschen aus dem Faden aufnimmt usw. Meine ersten Strickversuche sahen so kläglich und verkrampft aus das mich mein Umfeld darauf ansprach und fragte ob ich mir nicht lieber ein anderes Hobby suchen wolle, da es eher ungesund und leidvoll aussähe was ich da täte. Ja das war es zu Anfang auch. Meine Finger waren verkrampft, meine Schultern, Nacken und der Rücken taten mir weh, immer wieder musste ich den Anfang wieder auftrennen und vom Neuem beginnen. Ich machte Fehler über Fehler und kettete das Tuch schliesslich so fest ab das es sich nie zu seiner ganzen Schönheit entfalten konnte. Aber ich hatte es geschafft! Ich war stolz wie Oskar als ich nach vielen Wochen der mühseligen Arbeit das große Tuch um meine Schultern legen konnte. Sogar auf all die Fehler die nun sichtbar wurden war ich stolz, denn ich hatte mich durchgekämpft und mich nicht entmutigen lassen. Mittlerweile habe ich schon einige weitere Revontulis gestrickt und muss oft lachen wenn ich an die Anfänge denke, daran wie lang ich gebraucht habe und wie umständlich ich vieles angegangen bin. So hatte ich zum Beispiel immer einen Notizblock in den ich mir viele Sachen schrieb um mir zu merken in welcher Reihe ich war. Ich musste mir die Strickschrift auch Anfangs Reihe für Reihe auf einem Blatt Papier übersetzen da ich sie nicht einfach so ablesen konnte.
Deswegen ermutige ich gerne die Menschen welche mich auf das Stricken ansprechen. Seid mutig und versucht es einfach! Wenn euch stricken, filzen, malen, spinnen oder irgend ein anderen Handarbeitsbereich anspricht dann probiert euch aus! Oft höre ich „ach, sowas kann ich sowieso nicht“, „ich habe zwei linke Hände“, „dazu fehlt mir die Geduld“, „ich bin ja so unkreativ“, „für sowas bin ich zu blöd“. Das sind jedoch alles nur irgendwelche veralteten Glaubenssätze die wir in unserem Leben irgendwann einmal von unseren Eltern, Verwandten, Freunden oder Lehrern eingetrichtert bekommen haben um sie zu unserer Wahrheit zu machen. Hört auf damit euch selbst schlecht zu machen und nehmt euch die Freiheit alles auszuprobieren was euch gefällt. Es guckt euch doch niemand zu, niemand muss das Ergebnis sehen wenn ihr damit nicht zufrieden seid. Es gibt zu allen Handarbeitsbereichen tolle Bücher, Anleitungen im Internet, Videos, VHS Kurse, Bildungsurlaube und Menschen in eurer Umgebung die vielleicht mit dem Handwerk vertraut sind. Wenn mir vor einigen Jahren jemand gesagt hätte was ich später alles stricken würde und an was ich mich ohne Vorkenntnisse heran traue hätte ich ihm vermutlich einen Vogel gezeigt. Doch statt diesem Gefühl des unfähig seins statt zu geben habe ich einen neuen Glaubenssatz gewählt: „Ich kann alles verstehen, erschaffen und umsetzen wenn ich es will. Wenn andere Menschen das stricken können, dann kann ich es auch.“
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Mein diesjähriges Werk für mich ist die Midsummers night`s dream Kapuze von Tiny Owl Knits. Ein bisschen Bammel hatte ich schon vor Beginn, durfte dann aber feststellen das sich Blätter, Ranken, Blüten, Beeren, Hörnchen und Kapuze sehr leicht stricken liessen. Die Kapuze macht jedoch insgesamt recht viel Arbeit da all das Klimbim anschliessend von Hand gefilzt und dann an die Kapuze angebracht werden muss. Schön ist es allerdings die einzelnen Teile Stück für Stück fertig zu stellen und dabei immer wieder das Gefühl zu haben „so, xy ist erledigt“. Bei anderen Werken denke ich mir oft „noch so und so viele Reihen, dann ist es fertig“. Bei der Kapuze führen viele Einzelteile zum Ziel.
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Ich überlege mir auch dieses Jahr auch einen Fuchs zu stricken, allerdings Mr. Fox, der große Bruder des Schals den ich letztes Jahr mehrfach verschenkt habe. Glücklicherweise ist mit dem Buch Elfenstrick dieses Jahr endlich eine deutsche Ausgabe vieler Strickmuster von Stephanie Dosen (Tiny Owl Knits) erschienen. Letztes Jahr musste ich noch jedes Strickmuster einzeln und auf englisch bei etsy kaufen. Ein paar Strickgeschenke stehen aber auch auf der „to knit“ Liste, unter anderem hat sich meine Tante ein Revontuli von mir gewünscht. Dafür bestelle ich gerne Garn bei 100Farbspiele. Da sie ab Bestellung handgefärbt wird dauert es immer einiger Zeit bis zur Lieferung.
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In der Wartezeit letzte Woche als noch eine Wolllieferung für die Kapuze aus stand habe ich für eine Freundin an zwei Tagen noch eine weitere Tiny Owl Kreation gestrickt. Die „Dragon Watcher´s Hood„, von mir gerne „Rotkäppchen Kapuze“ genannt war eine sehr dankbare Strickarbeit. Zwar habe ich hier das erste Mal einen Tunnel gestrickt und erfahren darin gesammelt eine Kapuze in einem Stück ohne Nähte zu stricken, trotzdem ging die Arbeit Dank des dicken Garns und großer Nadeln schnell voran. So konnte meine Freundin die Rotkäppchen Kapuze schon am Freitag in Empfang nehmen und ist jetzt besten ausgerüstet für die nächste Drachenbeobachtung.
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Natürlich geht Stricken auch ganz vegan, es gibt eine Vielzahl von wunderschönen Garnen aus Naturfasern wie Baumwolle, Bambus, Leinen und Co sowie sehr kuschelige und qualitativ hochwertige Garne mit Kunstfasern.

Habt ihr einen Beitrag zur Oktoberausgabe der Ideenwerkstatt? Dann verlinkt euch hier:

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